Migräne
Migräne ist mehr als "nur Kopfschmerzen" – es ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben stark beeinträchtigen kann. Mit dem richtigen Management lassen sich Attacken reduzieren und die Lebensqualität verbessern.
Auf einen Blick
Häufigkeit:
Ca. 15% der Frauen, 6% der Männer
Attackendauer:
4-72 Stunden unbehandelt
Mit Aura:
Ca. 20-30% der Betroffenen
Erkrankungsalter:
Meist zwischen 20 und 40 Jahren
Was ist Migräne?
Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung mit wiederkehrenden Attacken. Im Gehirn kommt es zu einer Übererregbarkeit und Entzündungsreaktion der Blutgefäße und Nerven. Migräne ist genetisch bedingt und keine psychische Erkrankung – auch wenn Stress Attacken auslösen kann.
Symptome
Typische Migräne-Symptome:
- • Einseitiger, pulsierender Kopfschmerz (kann auch beidseitig sein)
- • Mittlere bis starke Intensität
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
- • Übelkeit, Erbrechen
- • Verschlechterung durch körperliche Aktivität
- • Dauer: 4-72 Stunden ohne Behandlung
Migräne mit Aura
Bei etwa 20-30% der Betroffenen geht der Kopfschmerzphase eine Aura voraus:
- Sehstörungen: Flimmern, Zickzack-Linien, blinde Flecken
- Kribbeln oder Taubheit (meist einseitig)
- Sprachstörungen (selten)
- Dauer: 5-60 Minuten, bildet sich vollständig zurück
Phasen einer Migräne-Attacke
1. Vorboten
Stunden bis Tage vorher: Müdigkeit, Heißhunger, Reizbarkeit
2. Aura
Sehstörungen, Kribbeln (nicht bei allen)
3. Kopfschmerz
Die eigentliche Attacke: 4-72 Stunden
4. Erholung
Erschöpfung, bis zu 24 Stunden
Häufige Trigger
Lifestyle-Faktoren
- Schlafmangel oder -überschuss
- • Unregelmäßige Mahlzeiten, Auslassen von Mahlzeiten
- • Zu wenig Flüssigkeit
- • Stress und "Wochenend-Migräne" (Stressabfall)
- • Hormonelle Schwankungen (Menstruation)
Weitere Auslöser
- • Bestimmte Nahrungsmittel (Alkohol, Käse, Glutamat)
- • Wetterumschwünge
- • Grelles Licht, Lärm
- • Starke Gerüche
- • Überanstrengung
Behandlung
Akuttherapie
Bei beginnender Attacke, möglichst früh:
- • Schmerzmittel: Ibuprofen, ASS, Paracetamol (bei leichten Attacken)
- • Triptane: Spezifische Migränemittel, sehr wirksam
- • Antiemetika: Gegen Übelkeit (z.B. Metoclopramid)
- • Ruhe in dunklem, ruhigem Raum
Achtung: Schmerzmittel nicht häufiger als 10 Tage/Monat → Gefahr des Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerzes
Prophylaxe
Bei häufigen Attacken (>3-4/Monat) oder starker Beeinträchtigung:
- • Medikamente: Betablocker, Topiramat, Amitriptylin
- • CGRP-Antikörper: Neue, sehr wirksame Injektionen (monatlich)
- • Botox: Bei chronischer Migräne (>15 Tage/Monat)
- • Nahrungsergänzung: Magnesium, Riboflavin, Coenzym Q10
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- • Regelmäßiger Lebensstil: Feste Schlaf- und Essenszeiten
- • Ausdauersport: 3x/Woche, kann Attackenhäufigkeit reduzieren
- • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung
- • Biofeedback
- • Kopfschmerztagebuch: Trigger identifizieren
Wann zum Arzt?
Sofort zum Arzt / Notarzt:
- • Erstmaliger schwerer Kopfschmerz ("noch nie so stark")
- • Plötzlicher Beginn (Vernichtungskopfschmerz)
- • Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteifigkeit
- • Neurologische Ausfälle, die nicht zurückgehen
- • Kopfschmerz nach Trauma
Zur Abklärung: Häufige Attacken, zunehmende Intensität, Veränderung des Schmerzcharakters
Häufig gestellte Fragen
Migräne behandeln lassen
Leiden Sie unter häufigen Migräneattacken? Wir helfen Ihnen mit einem individuellen Behandlungskonzept.
